Wie kam der Bambus nach Europa?

Der Lange Weg des Bambus

Schon vor langer, langer Zeit war den alten Griechen und den Römern der Bambus vom Hörensagen bekannt – den europäischen Botanikern und Pflanzenzüchtern hingegen war er über lange Zeit noch unbekannt. So kannte man in Europa sogar im Jahre 1753, als das wegweisende und auch noch heute gültige Grundsatzwerk „Species Plantarum“, eine Katalogisierung und Spezifizierung aller Pflanzen vom schwedischen Gelehrten Carl von Linné, erschien, diese Pflanze aus der Familie der Süßgräser noch immer nicht. Dass aus dem Bambus irgendwann einmal Zahnbürsten hergestellt werden können, deren Putzeigenschaften grandios sind und sogar hartnäckigen Zahnplaque entfernen, ahne damals noch niemand.

 

Glücklicherweise änderte sich dies im Laufe des 19. Jahrhunderts und einige Bambusarten sind aus China und Japan nach Europa von Seidenimporteuren eingeführt worden, die diesen den Fürsten ihres Landes oder reichen Auftraggebern schenkten, oder ihn auch in ihre eigenen Parks einpflanzten. So ist es nicht verwunderlich, dass man die ältesten Bambusbestände in Europa in herrschaftlichen Parkanlagen findet, die damals meist in fürstlichem Besitz waren.

 

Doch der Bambus hatte es mit unserem europäischen Klima nicht so einfach und die tropischen Arten überlebten schon den ersten Winter nicht – empfindliche Arten sogar nicht einmal die wochenlange Schiffsreise. Dennoch gab es auch Ausnahmen und so fand man in England, mit seinem milderen Klima und einem möglicherweise größeren gärtnerischen Geschick seiner Einwohner, schon um die Jahrhundertwende eine größere Zahl von verschiedenen Gattungen und Arten des Bambus. Und auch in Frankreich begeisterte der Bambus viele Gartenbesitzer immer mehr und es wurden vor allem im Süden Bambuspflanzen angebaut, die im kühlen Norden von Europa nicht überleben konnten – die Anerkennung von Bambus wuchs und wuchs.

 

Im ersten Weltkrieg wurden bedauerlicherweise mehrere wunderschöne Bambussammlungen zerstört und die Popularität von Bambus ging zurück. Doch es dauerte nicht lange und viele Bambuszüchter nahmen ihre Suche nach exotischen Arten wieder auf, so dass es zu einem „Revival“ des Bambus kommen konnte.

 

Im 21. Jahrhundert angekommen, erleben wir eine enorme Begeisterung für Bambus – was nicht verwunderlich ist, wenn man die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Bambus bedenkt – und so haben auch wir uns von dieser Pflanze begeistern lassen J.

 

Derzeit werden über 400 verschiedene Sorten von Bambus in Europa angebaut, wobei die klimatischen Bedingungen sehr unterschiedlich sind. Deshalb können Bambuspflanzen im Süden Europas (wie in Italien, Spanien oder Portugal) bis zu ihrer ursprünglichen Höhe von manchmal bis zu 20 m wachsen, während sie in West- und Mitteleuropa nicht so hoch werden.

 

Bambus kann vielfältig genutzt werden und auch gibt es unterschiedlichste Wachstumsgewohnheiten der verschiedenen Bambusarten. So gibt es diese besondere Pflanze in den verschiedensten Variationen – in der Höhe (groß, mittel oder klein wachsender Bambus), in der Form (aufrecht bis horizontal ausbreitend) oder auch in der Farbe (das typische grün, aber auch gelb, schwarz, orange, grün mit gelben Streifen oder umgekehrt, mit schwarze Flecken uvm.).

 

Doch egal ob groß oder klein, grün oder schwarz, dick oder dünn – wir lieben jede Art von Bambus und sind froh, dass er den weiten Weg zu uns nach Europa geschafft hat! J

 

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