Ist zu viel Zähne putzen schädlich?

KANN MAN AUCH ZU VIEL ZÄHNE PUTZEN?

Interview mit Dr. Peter Klein, BA

Um die heutige Frage zu beantworten: "Ist zu viel Zähne putzen ungesund" haben wir mit Dr. med. dent. Peter Klein BA gesprochen. Meist ist das Problem, ja nicht, dass Menschen zu viel Zähne putzen. Oft wird die häusliche Mundhygiene vernachlässigt und die Folge ist Karies.

Doch wie sieht es am anderen Ende aus? Gibt es Menschen die zu viel Zähne putzen? Ist zu viel Zähne putzen gefährlich? Um diese Fragen zu beantworten haben wir mit dem Zahnarzt und Gründer von Apfeldental gesprochen. 

Zur Person:

Dr. med. dent. Peter Klein, BA ist Gründer von Apfeldental und niedergelassener Zahnarzt in Knittelfeld, Steiermark. Als Arzt in dritter Generation und jahrelanger praktischer Erfahrung gibt er uns hier in diesem Interview Antworten auf unsere Fragen. 

Dr. med. dent. Peter Klein, BA am Schlossberg in Graz

Nach der Matura am Bundesgymnasium in Knittelfeld, hat Dr. Klein den Zivildienst am LKH Graz absolviert. Nach dem Praktikum in der Coloskopie und Gastroskopie begann er das Studium der Zahnmedizin in Krems an der Donau. Auf der Danube Private University absolvierte Dr. Klein das Studium zum Zahnarzt in Mindestzeit und studierte nebenher im Zweitstudium "Medizinjournalismus". 

Während der Studienzeit von 6 Jahren widmete er sich zahnmedizinischen Projekten aus jenen das Projekt Apfeldental geboren wurde. Als Anspruch nachhaltige zahnmedizinische Produkte zu liefern, besteht nun Apfeldental seit 2014 und wächst stetig und erfreut sich immer mehr Anhänger und Kunden. Das Ziel ist den Menschen ein neues Bewusstsein zur Mundhygiene und zu den dazugehörigen Produkten zu übermitteln. Durch den Einsatz bei verschiedenen karitativen Partnerorganisationen verleiht Apfeldental und Dr. Klein einen einzigartigen Mehrwert mit Nachhaltigkeit. 

Welche Schäden können durch zu viel Zähne putzen entstehen?

Wir haben mit Dr. Klein gesprochen und erstaunliche Antworten auf unsere Fragen erhalten. Hier gewähren wir euch Einblicke in das praktische Berufsleben eines Zahnarztes mit Erzählungen aus der eigenen Erfahrung von Dr. Klein. 

  • Frage: Als Interviewer und Mitarbeiter von Apfeldental und guter Freund kenne ich dich ja schon lange. Was mir jetzt nachdem du mir von deinem Praktikum in der Coloskopie (Darmspiegelungen) erzählt hast mir auf der Zunge brennt: Warum hast du dich nicht dazu entschlossen auf dem Krankenhaus zu bleiben und bist in eine andere Fachrichtung gewechselt. 

Antwort: Die Zeit am Krankenhaus war eine schöne Zeit, die ich auch nicht missen möchte, jedoch hatte ich die Chance bei einigen Eingriffen "live" dabei zu sein und habe dann für mich entschlossen, dass ich lieber mit den oberen Körperöffnungen zu tun haben möchte. Die Zahnmedizin ist doch ein saubereres Teilgebiet der Medizin als beispielsweise die Coloskopie. 

 

  • Frage: Apropos "sauber": Dass die Zahnmedizin sauber ist gilt aber wahrscheinlich nur in den Fällen, in denen die Patienten auch wirklich regelmäßig ihre Zähne putzen. Gibt es da nicht auch Momente für dich, wo du schlucken musst, wenn jemand seine Mundhygiene stark vernachlässigt? 

Antwort: Natürlich gibt es da auch viele, die mit der richtigen Mundhygiene einfach noch nicht vertraut sind. Ein aufklärendes Gespräch beim Zahnarzt liefert da schon oft den richtigen Input, sodass sich die häusliche Mundhygiene verbessert. Hier ist meines Erachtens ein "begleiten in eine neue Mundhygiene" wichtig. Das heißt man muss sich wirklich auf die Patienten einlassen und versuchen die richtigen Knöpfe zu drücken, sodass ein Umdenken beim Patienten wirklich stattfindet. 

 

  • Frage: Wie sieht es auf der anderen Seite aus? Hast du schon einmal erlebt, dass Krankheiten entstanden sind, weil ein Patient zu viel Zähne geputzt hat? 

Antwort: In der Tat habe ich schon des öfteren bemerkt, dass Menschen oft krampfhaft übertrieben stark und oft Zähne putzen. Diese Frage finde ich persönlich auch wirklich interessant, weil ich denke, dass dieser Frage zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Was aber auch klar ist, denn die meisten Anbieter von Mundhygiene-Produkten wollen Mundhygiene forcieren um auch möglichst viele Produkte zu verkaufen. 

Fakt ist, dass es doch auch Menschen gibt, die sich zu stark ihrer Mundhygiene widmen. Grund dafür ist, denke ich, oft auch psychisch bedingt. So gibt es beispielsweise eine Halitophobie. Halitophobie beschreibt die Angst vor nicht existierendem Mundgeruch. Diese Angst kann Menschen dazu treiben oft bis zu 10 mal täglich Zähne zu putzen. Ich habe das in meiner Tätigkeit als Zahnarzt schon öfter erlebt. Des weiteren gibt es die Mysophobie, die Angst vor Bakterien. Hier muss sich der Patient klar sein, dass ohnehin Millionen von Bakterien im Mund leben und ein "gesundes Mileau" im Mund einfach die Balance aus den Bakterien ist. 

 

  • Frage: Das klingt so, als bräuchten die Patienten eher einen Psychotherapeuten als einen Zahnarzt...

Antwort: Nein so schlimm ist es dann meist auch nicht. Hier versucht der Zahnarzt nach dem Erkennen dieser "Habits" (Gewohnheiten) dem Patienten die Situation zu erklären und die Mundhygiene ebenfalls umzustellen. Dabei empfiehlt man dem Patient nur maximal 3 mal täglich Zähne zu putzen. Zusätzlich soll der Patient Zahnbürsten mit weichen Borsten verwenden, da diese schonender zu Zahn und Zahnfleisch sind. Deshalb verwenden wir bei Apfeldental nur Zahnbürsten mit besonders schonenden weichen Borsten. (Hier im Online-Shop erhältlich) Des Weiteren soll der Patient den Putzdruck verringern und auf Bleaching Zahnpasten verzichten. Vor allem bei Rechthändern erkennt man dann, dass die linke Seite der Zahnbögen stärker beschädigt sind. 

  • Frage: Warum sind Bleaching Zahnpasten schädlich? 

Antwort: Das Problem bei Bleaching Zahnpasten ist, dass durch eine EU Richtlinie der Inhaltsstoff Wasserstoff, der die Zähne heller macht, nur begrenzt in der Zahnpaste vorhanden sein darf. Deshalb weichen Hersteller auf "Abriebmittel" aus, die quasi wie eine Scheuermilch eine feine Schicht vom Zahn abtragen und so eine Aufhellung erzielen. Das ist natürlich gerade in Kombination mit einer sehr intensiven Putzweise, also harte Borsten und viel Kraft besonders schädlich. Deshalb rate ich von Bleaching Zahnpasten ab!

  • Frage: Wie äußert sich denn das Krankheitsbild eines Patienten mit zu viel Zähne putzen? 

Antwort: In der Praxis erkenne ich derartige Manien und zu starke Mundhygiene tatsächlich bei einer keilförmigen Abnutzung des Zahnhalses. Hier liegt dann das Dentin, die Unterschicht, frei und der Patient beklagt sich über Hypersensitivitäten.(Überempfindlichkeiten auf Warm / Kalt). 

Hier hat man dann tatsächlich den Eindruck als würde der Patient sich selbst den Zahn und das Zahnfleisch wegputzen. Hier muss man handeln, denn verloren gegangenes Zahnfleisch ist nur sehr schwer zurückzuholen. 

 

  • Frage: Abschließend würde ich dich noch bitten die Frage zu beantworten: Ist zu viel Zähne putzen schädlich?

Antwort: Tatsächlich würde ich dazu tendieren diese Frage mit "Ja" zu beantworten, auch wenn es meist nicht viele Patienten betrifft und sicherlich das zu wenige Zähne putzen das Hauptproblem darstellt. Aber ich habe auch schon oft das Gegenteil erlebt.  Eben das zu viele Zähne putzen, das Schäden am Zahn und Zahnfleisch hervorruft. Hier sollte man dann auch an der Putztechnik arbeiten. Denn eine kreisförmige Bewegung der Zahnbürste ist tatsächlich weniger schädlich, als krampfhaftes Vor- und Zurück-Schrubben. 

Eine letzte Anmerkung: Auch auf das Zähne putzen direkt nach dem Essen sollte man ebenfalls verzichten, hier sind die Zähne durch den unterschiedlichen pH-Wert sehr empfindlich und besonders empfänglich für Zahnputzschäden. 



Ergänzung zum Interview:

zu starker Putzdruck bei Zahnbürste

Hier möchte ich Ihnen noch ergänzend zum Interview folgende zwei Dinge zeigen um auch selbst festzustellen ob Sie selbst von zu intensiver Mundhygiene betroffen sind. Denn diesen Umstand festzustellen ist gar nicht so schwer:

Meist zeigt sich bei Menschen mit zu hohem Putzdruck folgendes Bild: Die Borsten der Zahnbürste sind verbogen.

Das ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass der Anwender zu fest putzt. Das kann sogar so weit gehen, dass der Anwender beim Zähne putzen den Rand der Zahnbürste auf Zahn und Zahnfleisch drückt und so noch weitere Schäden provoziert. 

Hier sollte man in einem Gespräch mit dem Zahnarzt des Vertrauens noch einmal die häusliche Mundhygiene optimieren und den Putzstil ändern.

Das Ausweichen auf weichere Borsten und weniger Putzdruck können hier Abhilfe schaffen. Sollte Ihre Zahnbürste so aussehen, sollten Sie diese dringend wechseln.

Hier empfehlen wir den Artikel "Warum Bambuszahnbürsten", denn Bambuszahnbürsten sind nicht nur schonend, sondern haben noch deutlich mehr Mehrwert. 

Wichtig ist zusätzlich darauf zu achten ausschließlich abgerundete Borsten zu verwenden.

Unsere Borsten werden in einem Spezialverfahren abschließend abgerundet, sodass diese wirklich schonend zu Zahn und Zahnfleisch sind. 

 

Defekt durch zu viel Zähne putzen

In dieser Abbildung sehen Sie abschließend wie sich zu starker Putzdruck und die falsche Mundhygiene auf das Zahnfleisch und den Zahn auswirken können. 

Beobachtet man die Zahnhälse zum Übergang zum Zahnfleisch genau, so erkennt man, dass sich das Zahnfleisch förmlich zurückgezogen hat und weggeputzt wurde. 

Stellt man hier nicht eine richtige häusliche Mundhygiene ein, so können stärkere Läsionen und keilchenförmige Defekte im Bereich des Zahnhalses die Konsequenz sein. 

Diese Patienten beklagen sich dann über sehr empfindliche Zähne. 

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