Weisheitszahn Schmerzen

Der Weisheitszahn schmerzt - was tun?

In diesem Artikel finden Sie alle Antworten auf Fragen zum Weisheitszahn. Da dieser vor allem jungen Menschen regelmäßig Beschwerden verursacht widmen wir uns in diesem Blog-Beitrag genau diesem Thema. Die Zahnschmerzen können unerträglich werden und ja, ein Weisheitszahn kann sogar lebensgefährlich sein. Aber alles der Reihe nach und keine Sorge, in der modernen Zahnmedizin überleben die meisten Patienten den Weisheitszahn.

Zahnschmerzen, Zahnverschiebung, Schwellungen, Entzündungen und Kauprobleme sind häufige Begleiter eines überfälligen Weisheitszahnes. Um genau zu erklären, warum und weshalb ein Weisheitszahn weht tut hat der Apfeldental-Onlineshop mit Fachwissen diesen Artikel erstellt und möchte so die Menschen über den Weisheitszahn aufklären. 

In diesem Ratgeber finden Sie hoffentlich Antwort auf alle Fragen zum Thema Weisheitszahn. Des Weiteren haben wir Zahnärzte befragt und fanden heraus, wie ein Weisheitszahn operiert wird und Antworten auf folgende Fragen erhalten: Wann muss ein Weisheitszahn gezogen werden? Wann muss ein Weisheitszahn operiert werden? Wann kann man den Weisheitszahn im Kiefer lassen? Muss jeder Weisheitszahn entfernt werden? Was kann man tun, damit sich der Weisheitszahn nicht entzündet und vieles mehr. 

Der Weisheitszahn ist mit der Nummer 8 versehen und kommt in jedem Quadranten einmal vor. Das heißt von der Mitte aus gezählt ist der Weisheitszahn der 8 Zahn im Kiefer. Die Zähne im menschlichen Mund sind nach Quadranten eingeteilt. Quadrant bedeutet ein Zahnschema in dem die Zähne in vier Teile geteilt sind. Das folgende Bild erklärt die vier Quadranten im menschlichen Gebiss. Dabei werden die Quadranten numerisch im Uhrzeigersinn benannt: 

Die vier Quadranten im menschlichen Gebiss

Besucht man den Zahnarzt und unterzieht sich einer Behandlung so kommt es manchmal vor, dass der Zahnarzt scheinbar in Geheimcodes spricht. "28 38 ex" schallt es dann durch den Raum. Hier spielt der Zahnarzt aber nicht "Schiffchen versenken" mit seiner Assistentin. NEIN er beschreibt die Lage des Zahnes. Wenn der Zahnarzt "28 38 ex" sagt so ist das eine Kurzform dafür, dass er die beiden Weisheitszähne extrahieren also ziehen will. 28 bedeutet beispielsweise der 8. Zahn im 2 Quadranten und "ex" aus dem lateinischen übersetzt "raus" eben, dass er ihn rausholen will. 

Mit diesem Schema kann also jeder Zahn im menschlichen Gebiss eindeutig zugeordnet werden. So wäre 11 der rechte Frontzahn und 33 der links untere Eckzahn. Der Zahn um den es hier geht heißt also entweder 18 wenn der Weisheitszahn (von mir aus) rechts oben gemeint ist, 28 wenn der links oben gemeint ist, 38 wenn der Weisheitszahn links unten gemeint ist und 48 wenn es um den letzten Zahn rechts unten geht. 



Name, Aussehen und evolutionäre Entwicklung des Weisheitszahnes

Der Name Weisheitszahn stammt vom Arzt Avicenna (980 - 1037), der als erstes den letzten Zahn als "dentes intellectus" übersetzt bezeichnet. Aus dem lateinischen bedeutet dentes intellectus - "der weise Zahn". Das lateinische Wort "intellegere" übersetzt "verstehen" beschreibt also das weise sein. Von diesem Wort stamm übrigens auch das Wort Intelligenz - die kognitive Leistungsfähigkeit eines Menschen. Im genaueren beschreibt interllegere eigentlich das dazwischen lesen. Also so ähnlich wie unser bekanntes Sprichwort "zwischen den Zeilen lesen". "Inter" heißt dabei "dazwischen" und legere "lesen". 

In anderen Sprachen wie beispielsweise im japanischen heißt der Weisheitszahn "Zahn, den die Eltern nicht kennen". Wahrscheinlich deshalb, weil der Zahn erst dann zum Vorschein tritt wenn das Kind das Elternhaus verlassen hat. 

Im Prinzip ist der Weisheitszahn gebaut wie jeder andere Zahn auch. Er verfügt ebenfalls über eine Wurzel und eine Krone. Der Weisheitszahn kann jedoch in vielen erdenklichen Abwandlungen existieren. Das heißt, dass der Weisheitszahn oft von seiner eigentlichen anatomischen Form abweichen kann. Ein Beispiel dafür können die Höcker sein. Hier kann ein Weisheitszahn eine unterschiedliche Anzahl an Höckern aufweisen. Manchmal 3 manchmal 5. Auch die Wurzelkonfiguration kann unterschiedliche Form und Anzahl aufweisen. 

Die Wurzeln können miteinander verwachsen sein, hakenförmig oder gerade sein. Hier ist der Natur jegliche Fantasie recht. Gerade diese unterschiedliche Zusammensetzung eines Weisheitszahnes kann es dem Zahnarzt schwer machen, den Zahn zu entfernen. Auch die Lage des Zahnes kann stark von den anderen Backenzähnen abweichen. Auch das kann zu Komplikationen bei der Operation führen. 

Übrigens: Es ist auch möglich mehrere Weisheitszähne zu haben. Das wären dann die 9er. Also noch zusätzliche Zähne hinter dem Weisheitszahn. Also solltet ihr euch über den Weisheitszahn ärgern, so freut euch doch, dass ihr nicht noch über weitere sogenannte Distomolaren verfügt, also noch mehr Zähne noch weiter hinten. 

Die Existenz der Weisheitszähne ist aber kein Muss. Es gibt auch Menschen, bei denen der Weisheitszahn nicht angelegt ist. Das ist ein genetisches Phänomen und eine Frage des Erbens. 

Zur Theorie warum es Weisheitszähne überhaupt existieren, gibt es mehrere Erklärungen. Einerseits könnten die Weisheitszähne ein Überbleibsel aus der Evolution sein. Denn ausgestorbene Arten unserer Vorgänger wie Verwandte der Affen wiesen eine deutlich höhere Anzahl an Zähnen auf. Sie hatten 44 Zähne statt der bei uns am häufigsten zu findenden 32 Zähne.  Durch die Verkürzung der Schnauze zu einem Mund sind die Weisheitszähne quasi als Rest übergeblieben. 

Eine weitere Theorie ist, dass früher die Vorfahren der Menschen deutlich mehr rohes zähes Fleisch zu sich genommen haben und deshalb der Weisheitszahn für ein zusätzliches zermahlen der Nahrung nützlich war. 

Hierbei muss jedoch erwähnt werden, dass diese Theorien meist nur Erklärungsversuche sind für einen Umstand, dessen Ursprung wir nicht genau erklären können. 

In dem folgenden Bild sieht man verschiedene Weisheitszähne mit unterschiedlichen Charakteristika wie unterschiedliche Kronen und Wurzelformen.

Weisheitszahn verschiedene Formen

Hier ist ersichtlich wie unterschiedlich Weisheitszähne aussehen können. So weist der links untere Weisheitszahn weniger Höcker auf als der rechts oben. Auch die Form der Wurzeln kann stark unterschiedlich sein. Hier war es eine meisterliche Leistung die Zähne im Ganzen heraus zu bekommen, denn gerade bei gebogenen Wurzeln kann es oft notwendig sein den Zahn zu zerteilen um ihn überhaupt aus dem Kiefer zu bekommen. Aber wie der Zahnarzt den Weisheitszahn entfernt erfahren wir später in diesem Artikel. 



Warum tut ein Weisheitszahn weh? Warum muss er raus?

Wie bereits erwähnt ist der Weisheitszahn im Kiefer einfach zu viel. Unser Raumangebot im Mund reicht nicht aus um diesen zusätzlichen Zahn zu beherbergen. Es gibt zwar einige Menschen, bei denen der Platz ausreicht um einen Weisheitszahn stehen zu lassen, doch in den meisten Fällen muss der Zahn aufgrund des Platzmangels gezogen werden. 

Und genau dieser Platzmangel sorgt dafür, dass der Weisheitszahn zu schmerzen beginnt. In der folgenden Darstellung gehen wir genauer auf den Platzmangel und die Position des Weisheitszahnes ein. Zu sehen ist ein entzündeter Weisheitszahn im Unterkiefer. 

Darstellung eines Weisheitszahnes mit Platzmangel

Beschreibung zum Bild: 

  • A = Weisheitszahn, hier im Engstand zwischen Knochen und 7er.
  • B = Der 7. oder zweite Backenzahn, also der vorletzte Zahn.
  • C = Entzündete Pseudotasche von Zahnfleisch.
  • D = Antagonist, also Gegenzahn im Oberkiefer.

In diesem Bild wird sehr schön gezeigt, was es mit dem Weisheitszahn Engstand und Entzündung auf sich hat. Zu sehen ist der Weisheitszahn an der Position 48 also rechts unten. Durch einen Engstand und erschwertes Durchbrechen hat sich dieser Weisheitszahn entzunden. Hierbei spricht man von einem retinierten Weisheitszahn. Das bedeutet, dass der Weisheitszahn nicht an die Oberfläche durchbrechen kann, sondern unter dem Zahnfleisch bleibt. 

Bricht der Weisheitszahn nur teilweise durch, spricht man von einer Teilretention. Bei der Teilretention bilden sich meist kleine Zahnfleischtaschen, die durch das Eintreten von Speiseresten das Bakterienwachstum an dieser Stelle fördern. Da man nur sehr schwer in einer derartigen Tasche reinigen kann, entwickelt sich die Entzündung immer weiter. Sobald das Gewebe geschwollen ist, kann hinzukommen, dass der Patient immer auf die geschwollene Stelle draufbeißt, was wiederum zu Schmerzen führen kann.

Auslöser dafür ist der mit grüner und roter Linie eingezeichneter Engstand. Hier wird ersichtlich, dass der Weisheitszahn eben nicht genug Platz hat und sich so entzündet. Zusätzlich kann der Druck auf den vorderen Molaren zusätzlich Schmerzen bereiten und auf lange Sicht auch die Zähne verschieben. Das kann besonders in Kombination mit einer Kieferorthopädischen Behandlung zu Problemen führen, da sich bereits begradigte Zähne wieder verschieben können.

Sollte der Patient jedoch genug Platz in diesem Bereich aufweisen und der Weisheitszahn in korrekter Zahnachse durchbrechen, so kann man den Zahn stehen lassen und er wird sich wahrscheinlich nicht entzünden.

Zeigt sich jedoch wie im folgenden Orthopantomogramm eine starke Verlagerung des Weisheitszahnes, so ist oft eine chirurgische Entfernung des Zahnes notwendig. 

Röntgenbild eines verlagerten Weisheitszahnes 38

Der mit dem rotmarkierten Pfeil Zahn 38 weist unter der verlagerten Krone eine Aufhellung auf und ist wahrscheinlich entzunden. Man sieht förmlich wie sich der Zahn gegen den 37 presst und wahrscheinlich Schmerzen verursacht. Zusätzlich kann die linke also mesiale Wurzel als gebogen erkannt werden. Dieser Zahn weist einen Platzmangel auf und muss wahrscheinlich chirurgisch entfernt werden. 



Wie entfernt der Zahnarzt den Weisheitszahn?

Nun da wir wissen was ein Weisheitszahn ist und wann er herausgenommen werden muss und wann er bleiben kann möchten wir euch kurz erläutern wie der Zahnarzt vorgeht, wenn er einen Weisheitszahn entfernen muss. 

Die Weisheitszahnentfernung oder auch Weisheitszahnextraktion genannt, erfolgt meist unter Lokalanästhesie. Das bedeutet, dass der Zahnarzt lediglich den umliegenden Bereich um den Weisheitszahn anästhesiert. Hierbei wird der Bereich mit Mitteln eingespritzt die ein Taubheitsgefühl hervorrufen. Die Folge ist, dass man keine spitzen starke Schmerzen mehr spüren kann. Was man jedoch natürlich trotzdem bemerkt ist der Druck, den der Zahnarzt anwenden muss um den Zahn zu entfernen. Generell gilt je später man zum Zahnarzt geht, desto "schlechter" wirkt die Anästhesie beziehungsweise umso schwieriger ist es für den Zahnarzt den betreffenden Bereich zu betäuben. Da stark entzündete Bereiche nicht mehr so gut durchblutet sind wie gesundes Gewebe fällt es hier dem betäubenden Mittel schwerer in die betroffene Region vorzudringen. Deshalb wird manchmal nicht nur das umliegende Gewebe sonder der ganze Unterkiefernerv (Nervus alveolaris / Nervus mandibularis) betäubt. 

Bei Problempatienten kann auch eine Vollnarkose eingeleitet werden. Dies macht bei besonders ängstlichen Patienten oder bei großen chirurgischen Vorhaben Sinn, ist jedoch ebenfalls mit erhöhten Risiken und Nebenwirkungen nicht das erste Mittel der Wahl.

Nun da der betreffende Bereich taub ist kann der Zahnarzt mit leichten Drehbewegungen und mit Hilfe von Hebeln und Zangen den betroffenen Zahn extrahieren. Das geht natürlich nur wenn der Zahn an der Oberfläche sichtbar ist und nicht von Gewebe und Knochen bedeckt ist. 

In diesem Fall muss sich der Zahnarzt erst bis zum Zahn durcharbeiten. Dies passiert mittels Skalpell und Knochenfräsen. Ist die Krone dann schließlich dargestellt kann der Zahnarzt wenn nötig der Zahn zerteilen um ihn leichter herauszubekommen. Ist der Zahn dann entfernt wir die entsprechende Öffnung vernäht. 

Nun da der Weisheitszahn entfernt ist können noch Schwellungen in den Folgetagen auftreten. Hier schaffen Schmerztabletten und die entsprechende Kühlung dem Patienten Abhilfe. 

Video einer Weisheitszahn OP

Hinweis: Sollten Sie vor einer geplanten Weisheitzahn-OP stehen, beachten Sie, dass in diesem Video von checkdent abschreckende Bilder und Blut sichtbar ist oder beenden das Video nach der Animation. 

Zusammenfassung

So unterschiedlich wie der Weisheitszahn auftreten kann sind auch die Therapiemaßnahmen. Generell gilt, dass ein Weisheitszahn kein Grund zur Sorge ist und von den meisten Zahnärzten problemlos entfernt werden kann. Natürlich ist dieser Eingriff nicht gerade angenehm. Dieser Ratgeber soll nur einen groben Überblick über das Thema Weisheitszahn geben. Natürlich sollte man bei Beschwerden im Mund direkt zum Zahnarzt gehen und professionellen Rat einholen!

Linktipp:

Auf der Homepage der österreichischen Zahnärztekammer kann man mit Hilfe der Zahnarztsuche einen geeigneten Zahnarzt finden. Also solltet Ihr gerade Schmerzen haben, am besten dort direkt nach einem Zahnarzt suchen und einen Termin vereinbaren. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Lukas (Freitag, 16 Februar 2018 07:58)

    Danke für den tollen Beitrag und liebe Grüße aus Wien :-)