Geschichte der Zahnmedizin

So war die Zahnmedizin früher!

Als die Zahnmedizin noch nicht modern war.

Die unglaublichen Praktiken und Rituale der Zahnmedizin Geschichte.

Egal ob moderne computergestütze Techniken, schmerzstillende Anästhesien oder saubere Hygiene - wir sind an die optimalen zahnmedizinischen Behandlungen gewohnt. Doch das war nicht immer so. Die Zahnmedizin ging einen weiten Weg um dorthin zu kommen wo sie heute steht. Wir haben uns auf den Spuren der Geschichte ein Bild von den oft erschreckenden Behandlungsmethoden der Vergangenheit gemacht. Lesen Sie hier alles über die Geschichte und die alten Techniken unserer Vorfahren in der Zahnmedizin.



Eine 14000 Jahre alte Geschichte

Die Zahnmedizin ist scheinbar eine sehr alte Disziplin. Denn bei einem Fund in der Felsenhöhle von Riparo Villabruna in Norditalien konnte ein Individuum gefunden werden, das nachweislich beim "Zahnarzt" war. Denn die Zähne dieses Körpers wiesen bereits konservierende Maßnahmen der Zähne auf. Und das Schärfste dabei? Das Alter dieses Individuums wird dabei auf circa 14000 Jahre geschätzt. Unglaublich! 

Aber nicht nur in Italien wurde man fündig. Auch im heutigen Pakistan wurden behandelte Zähne entdeckt. Hierbei wurden die Zähne sogar genauestens aufgebohrt und gefüllt! Diese Ausgrabungen werden auf ein Alter von circa 7000 Jahren geschätzt. 

Ebenfalls aus der Steinzeit stamm eine Entdeckung aus Dänemark, hier wurde der Zahn zu einer Wurzelbehandlung eröffnet. Eine noch heute praktizierte Methode um den Druck eines infizierten Zahnes abzulassen und so dem Patienten Linderung verschafft.

Auch der Zahnersatz stand im Interesse der frühen Menschheit. 1000 vor Christus haben Phönizier und Etrusker bereits verschiedene Arten von Zahnersatz hergestellt.

Im frühen Rom haben Barbiere die Zahnmedizin ausgeübt. Barbier war ein altertümlicher Beruf, der die gesamte Körperpflege umfasste. Neben der Rasur von Bärten wurden hier auch einfach gleich Zähne entfernt und das meist auf offener Straße - natürlich ohne entsprechende Hygienemaßnahmen. Zu dieser Zeit war übrigens auch der Glaube verbreitet, dass ein bösartiger Zahnwurm im Zahn für Karies verantwortlich ist.

 

Zahnwurm

Überraschend fortschrittlich erweist sich bereits im 18. Jahrhundert die Betäubung der Zähne. Denn schon in dieser Zeit konnte Lachgas hergestellt werden, das später auch in der Zahnmedizin zum Einsatz kommt.

 

Im 20. Jahrhundert wurden schließlich Lokalanästhetika und Röntgenstrahlen entdeckt, die die Behandlung des Zähne deutlich vereinfachte und verbesserte. Das erste örtliche Betäubungsmittel wurde Novocain getauft. Eine interessante Wortschöpfung wenn man bedenkt, dass es aus dem lateinischen übersetzt "neues Kokain" bedeutet. 

Zahnbehandlung im Mittelalter

Dieses Bild zeigt eine altertümliche Darstellung einer Zahnbehandlung. Im folgenden Bild sieht man einen Aborigines Stamm, die als Aufnahmeritual den Frontzahn ausschlagen. In einer Zeit ohne den modernen Möglichkeiten einer Zahnbetäubung wahrscheinlich eine sehr unangenehme Prozedur. 

Zahn ausgeschlagen


Urintherapie in der Zahnmedizin

Ein weiteres Schmankerl der Zahnmedizin und dessen Geschichte stellt die Urintherapie dar. Denn es gab auch Zeiten in denen die Menschen überzeugt waren, dass tierischer und menschlicher Urin besondere Heilkräfte habe. 

Schon im frühen China haben Mediziner aufgrund der hohe Anteile an Harnstoff und Carbamidperoxid und wegen seiner schmerzstillenden Wirkung Urin als Heilmittel angesehen. Hierbei soll Urin nicht nur das Zahnfleisch bei der Heilung unterstützen sondern sogar die Zähne aufhellen. In der "Medizin des gelben Kaisers" wird sogar empfohlen den Urin eines Kindes anzuwenden um Zahnfleischbluten zu mindern. 

Bei den Azteken war die Körperpflege ebenfalls ein ganz wichtiger Teil der täglichen Hygiene. Hier sollte man nach der Spülung von kaltem Wasser und der anschließenden Politur mittels eines Tuches die Zähne mit Urin gespült werden.

Aber nicht nur Chinesen und Azteken haben auf den Zaubersaft gesetzt. Von Römer bis zum französischen Hochadel war die Urinspülung weit verbreitet. Ein klarer Beweis dafür ist der Brief von Marie de Sevigne um 1670 an ihre Tochter. Marie de Sevigne ist bekannt für ihre Briefe, die zum Kreis der Klassiker der französischen Literatur zählen. In jenem Brief, in dem Sie sich an ihre an Zahnschmerzen leidende Tochter richtet, ratet sie dieser Ihre Zähne morgens und abends mit Urin zu spülen. Sie habe bei vielen Menschen beobachtet wie Karies bei Menschen verschwindet, die mit Urin spülen.

Heute ist die Eigenharnbehandlung der Alternativmedizin zuzuordnen. Die wissenschaftliche Medizin findet dafür keine Anwendung.  

Eigenharnbehandlung mit Urin

Zahnersatz von damals und historische Prothesen

Im 18. Jahrhundert waren die Menschen der Meinung, dass man einen frisch gezogenen Zahn, wenn man nur schnell genug ist, einem anderen Menschen einpflanzen kann. Das ging sogar so weit, dass man in der Zeitung Inserate fand, in denen die Menschen zum Spenden von Zähnen aufgerufen wurden. Hier konnte man sich für einen gezogenen Zahn ein paar Cent dazuverdienen. Da diese Methode immer bekannter wurde verbreitete sich diese Art von Zahntransplantation nicht nur in Europa sondern auch in Amerika. 

Der Haken an der ganzen Sache war jedoch, dass immer mehr Menschen so Infektionskrankheiten übertrugen. So wurde zum Beispiel die Syphilis häufig übertragen, was schließlich das Ende dieser Methode zur Transplantation von Zähnen war. 

Nun bediente man sich mehr den Leichen. Hier wurden Zähne von Toten erbeutet und durch Zahnärzte in Prothesen eingebaut. 

George Washington, auch der zahnlose Präsident der USA genannt, bediente sich bei seiner Prothese an Zähnen von Nilpferden, Menschen und Elefanten. Der Schaffer dieser Prothese war John Greenwood, ein Mechanikus aus New York, der zu Washingtons Zeit einen Versandhandel für Prothesen betrieben hat. 

Um bei John Greenwood zu bestellen reichte es aus einen Wachsabdruck zuzusenden und man erhielt einen passenden Lückenschluss. 

Prothese von George Washington

Man sieht, dass sich schon alte Methoden in früher Zeit bis heute bewähren. Auch heute noch schickt man dem Zahntechniker einen Abdruck der Zähne, der dann jedoch nicht aus Elfenbein sonder vielmehr aus Kunststoff oder Keramik eine Prothese herstellen kann. 

Wir sind auf alle Fälle froh, dass wir nicht zu jener Zeit zum Zahnarzt mussten und heute über moderne Zahnmedizin und Hygiene verfügen. 



Linktipps:

Auf der Homepage des Zahnmuseums in Linz finden sich alle Termine und aktuelle Ausstellungen zu historischen Zahnbehandlungen und Apparaturen. Hier kann man viele historische Exponate in Live erleben und bewundern. Ein Besuch lohnt sich! 

In unserem Blog findet Ihr weitere Artikel rund um das Thema Zahnmedizin und Gesundheit. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Lissi (Donnerstag, 25 Januar 2018 15:25)

    Toller Beitrag, danke fürs einstellen!
    Lieben Gruß aus Linz,
    Lisa